Hallo, da bin ich auch wieder mit meinen News im neuen Jahr!!
Mein Rücktritt vom Spitzensport ist nun schon fast 3 Monate her. Allerdings habe ich noch immer sehr zu kämpfen mit den aktuellen Umständen und gerade jetzt, wo es überall nur noch um Vancouver geht, fällt es mir gar nicht leicht mit dieser Situation umzugehen…es schmerzt noch immer sehr und oft habe ich das Gefühl aus einem bösen Traum zu erwachen und morgen nach Vancouver zu fliegen um da meine dreifach Salti zu springen….. Ich glaube es braucht noch sehr viel Zeit, die Wunde ist tief, die Emotionen riesig…
Vergangene Woche durfte ich nun aber meinen Einstand als Juniorentrainerin geben. So reiste ich mit unserem Junior Moritz Biel nach Russland an den ersten Europa-Cup dieser Saison im Freestyle Aerials. Ich habe mich gefreut endlich auch wieder ein wenig unterwegs zu sein, doch es ist schon ganz anders in der Position der Trainerin und somit verantwortlichen Person zu reisen! Nicht das ich nervös war, doch man macht sich vielmehr Gedanken ob dann auch alles funktioniert mit den Flügen, dem Transport / Unterkunft etc… und dann gerade noch in Russland wo immer alles einwenig chaotischer ist und man nie genau weiss was einen erwartet. Zu meiner Überraschung hat dann aber alles reibungslos auf Anhieb geklappt! Auch die Anlage in Krasnoe Ozero (100km nördlich von St.Petersburg) war auf WeltcupNiveau, was wir uns im EruopaCup überhaupt nicht gewohnt sind! Wow, bis jetzt hinterliess alles einen sehr positiven Eindruck. Das Essen war dann aber nicht ganz das was man eine sportlergerechte Nahrung nennt -> Nachtessen: "Würstli" mit Pommes, Frühstück: "Würstli" mit Spiegelei….einmal gab es dann noch Chicken Nuggets mit Pommes…Naja anderes Land, anderes Essen, für 5 Tage geht dass schon.
Am ersten Trainingstag war ich dann schon einwenig nervös als ich da so ganz alleine an einer neuen Anlage stand und jetzt bestimmen musste mit wie viel Speed mein Athlet springen soll. Es liegt in meinen Händen ihn ans richtige Ort zu setzen damit er sicher in den Landehang kommt. Dabei gibt es doch so einiges zu bedenken: Steilheitsgrad der Schanze, Wind, Länge der Fläche vor der Schanze, Distanz zur Landung, wie wird er reagieren beim ersten Sprung auf einer neuen Schanze…. Das Herzklopfen wurde immer stärker und ich war doch plötzlich sehr nervös und wünschte lieber selber oben zu stehen, dann könnte ich es wenigstens selber beeinflussen……!!!!!! Und dann war er unterwegs zum ersten Sprung, bumbum, bumbum….mein Herz klopfte… Alles gut, speed stimmt, Absprung und Luft ok, eine tiefe Landung und dann beim Hochkämpfen stürzt er noch und, nein, „Mo alles ok?“ nein er bleibt liegen, bitte nicht auch das noch! Im Eiltempo stürze ich mich den Landehang herunter und gehe zu ihm. Sein Knie schmerzt. Sofort kommt auch die Sanität und bringt ihn per Schlitten ins „Medicalcenter“, ein Häusschen mit ein paar Leuten die in grün herumlaufen….Allzu schlimm sah es nicht aus, der Schmerz verging und das Knie war nur leicht geschwollen, allerdings war der erste Trainingstag vorbei. Am zweiten Tag konnte Moritz dann wieder trainieren und ich war immer noch nervös vor dem ersten Sprung. Die Schanze war sehr schlecht, sie war viel zu flach (61statt 64-65 Grad!), so dass die Springer weit über die Hälfte des Landehanges runter flogen. Ich entschied mich dann zusammen mit dem weissrussichen Coach die zweite Doppelschanze zu shapen, nach unserer gewohnten Kurve. Es war sehr viel Arbeit und nachts um 22:45 Uhr kapitulierte ich…Die Kurve war vielleicht ok, aber durch denn gefrorenen Schnee war die Schanze wie eine Buckelpiste die wir einfach nicht flach kriegten. Über Nacht schneite es zum Glück, und der Schnee half uns die Buckelpiste einwenig auszugleichen und wir hatten am nächsten Tag, zu meiner eigenen Überraschung, eine perfekte Schanze! Moritz sprang von Beginn an gut und fühlte sich nun wohl auf der Schanze. Beim dritten Lay-Full hatte er wieder eine tiefe Landung mit einem anschliessenden Sturz und blieb wieder liegen, „nein bitte nicht schon wieder, steh auf…“ das tat er aber nicht und ich spurtete erneut die Landung runter, wobei ich dann selber noch einknickte da mein Knie das nicht so lustig fand. Egal weiter geht es zu Moritz. Wieder ab ins Medicalcenter und diesmal war sogar ein Arzt vor Ort. Aber was der da rumdrückte und teste hätte ich mit meiner eigenen Erfahrung also auch noch hingekriegt! Wir wussten danach genau soviel wie vorher, dass das Knie jetzt mehr geschwollen ist, dass es schmerzt bei bestimmten Bewegungen und wenn er tief in die Knie geht gibt es einen Stich, und jetzt???.... Na gut, der Wettkampf war dann sowieso gelaufen, Moritz hatte zu viele Schmerzen. Auch am nächsten Tag für den zweiten Wettkampf musste er forfait geben.
Leider mussten wir dann ohne ein Wettkampfresultat wieder nach Hause reisen.
Gerade erfolgreich war mein Einstand somit nicht… Nun hoffen wir aber dass Moritz bis Ende Februar wieder fit ist, so dass wir dann am nächsten EuropaCup in Weissrussland eine bessere Bilanz aufweisen können.
Bis bald
Grüsse Manuela